Das Porträt über die individuelle Mobilität in der Schweiz.
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Der Beitrag der Automobilindustrie an die Schweizer Wirtschaft

Wieviel setzt die ganze Automobilbranche in der Schweiz eigentlich um, und was bedeutet das für die Schweizer Wirtschaft?

94,7 Milliarden Franken – soviel setzte die gesamte Automobilindustrie in der Schweiz im Jahr 2017 um. Wäre die Branche ein einziges Unternehmen, würde sie national auf Rang sechs der umsatzstärksten Firmen liegen – noch vor Grossunternehmen wie Nestlé, Roche und Novartis. Autoverkäufe allein machen mit rund 15,7 Milliarden aber nur einen Bruchteil der Umsätze aus. Welche Märkte sind sonst noch involviert, und wie setzt sich der Gesamtbetrag eigentlich zusammen?

Im ganzen Land wurden im Jahr 2017 neue Personenwagen im Wert von circa 13,2 Milliarden Franken verkauft. Zählt man noch Nutzfahrzeuge, Busse und Cars dazu, wächst die Zahl um weitere 2,5 Milliarden. Diese Zahl überrascht nicht weiter, schliesslich wurden 2017 über 350’000 Strassenfahrzeuge neu in Verkehr gesetzt. Aber wer ein Auto besitzt, weiss, dass dies nicht die einzigen Kosten sind: Das Garagengewerbe beispielsweise stellt mit rund 18 Milliarden Franken Umsatz die helvetischen Autoverkäufer in den Schatten – ein hoher Betrag.

Auf die restlichen Branchen, wie zum Beispiel Carosserie, Treibstoff oder Versicherungen sowie diverse weitere, wie etwa Parkhäuser oder Leasing, verteilen sich die restlichen 61 Milliarden. Was bedeutet dies für die Schweizer Wirtschaft?

Schweizer Zulieferunternehmen – die heimlichen Stars der Branche

Die Schweiz ist kein klassisches Land für die Automobilbranche. Es verkehren zwar über sechs Millionen Motorfahrzeuge auf den hiesigen Strassen, aber abgesehen von einigen Konzeptwagen und Spezialfahrzeugen sind Schweizer Automobilproduzenten seit den 70er-Jahren praktisch inexistent. Nicht aber die Zulieferunternehmen: Lediglich 574 Unternehmen teilen sich einen Umsatz von 12,3 Milliarden Franken. Die Daten stammen aus einer Studie von Swiss CAR, dem Schweizer Zentrum für Automobilforschung.

Während also weltweit kaum Autos auf der Strasse unterwegs sind, welche das Label „Made in Switzerland“ tragen, steckt in vielen Fahrzeugen ein kleines Stückchen Schweiz: Gewebefilter aus St. Gallen, Schrauben aus Zug oder Querlenker aus Schaffhausen. Die Industrie macht sich jedoch Sorgen: Über 40 Prozent der Zulieferer bieten Teile für Getriebe, Motoren oder den Antriebsstrang an. Das Aufkommen der Elektromobilität bedeutet jedoch, dass diese auf Verbrennungsmotoren ausgerichteten Teile weniger nachgefragt werden dürften. Fallen diese weg, dürften sowohl Arbeitsplätze als auch ein beträchtlicher Teil des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wegbrechen. Daher sind neue Innovationen gefragt, die den neuen Antriebsmodellen dienen.

Die Menschen in der Autoindustrie

Allein bei den 574 Zulieferern, die mehrheitlich der deutschen Automobilindustrie zudienen, arbeiten rund 34’000 Menschen. Weitet man dies auf die gesamte Automobilindustrie des Landes aus, sind es mehr als stolze 224’000 Arbeitnehmer. Damit hängt, gemessen an den Vollzeitäquivalenten des Bundesamts für Statistik, jeder zwanzigste Arbeitsplatz in der Schweiz an der Automobilindustrie. Während hierzulande also kaum Fahrzeuge hergestellt werden, ist die Produktion von Komponenten, Dienstleistungen und anderer wirtschaftlichen Leistungen für die internationale Automobilindustrie für die hiesige Wirtschaft elementar.

Zum Vergleich: Der Finanzsektor, also Banken, Versicherungen & Co., beschäftigt mit 244’000 Angestellten nur ein paar Mitarbeitende mehr, obschon dessen Anteil an der Bruttowertschöpfung laut der Schweizerischen Bankiervereinigung direkt und indirekt 12,4 Prozent beträgt.

E-Mobilität oder Verbrennungsmotoren: Was bringt die Zukunft?

Die Autozulieferer rüsten sich für die schnell kommende Elektromobilität. Viele der lokalen Firmen sind technisch stark auf Verbrennungsmotoren ausgerichtet; laut Experten sind diese jedoch angezählt. Die wachsende Zahl der E-Autos bringt eine Neuausrichtung der Industrie mit sich: Die wirtschaftlichen Aktivitäten der Zulieferer werden sich verschieben müssen, indem Know-how gesammelt und Investitionen getätigt werden. Zwangsläufig müssen die laufenden Entwicklungen von Firmen aufmerksam verfolgt werden, doch das Aufkommen neuer Mobilitätsformen sowie des automatisierten Fahrens bietet für die motorisierte Volkswirtschaft durchaus Chancen, auch in den kommenden Jahren mit innovativen Lösungen ganz vorne unter den Zulieferern mitzuspielen.

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